Ernährung über den Darm: Alles zur enteralen Ernährungstherapie

Enterale Ernährung versorgt den Körper über den Magen-Darm-Trakt mit wichtigen Nährstoffen, wenn die normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht. Lesen Sie hier, wann eine enterale Ernährung erforderlich ist, welche Formen existieren und wie die Kostenübernahme funktioniert.

▶ Enterale vs. parenterale Ernährung

▶ Formen der enteralen Ernährung

▶ Indikationen

▶ Vorteile

▶ FAQ

 



Enterale und parenterale Ernährung: Die wichtigsten Unterschiede

Die enterale Ernährung versorgt den Körper über den Verdauungstrakt mit essenziellen Nährstoffen. Sie kommt zum Einsatz, wenn die normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht oder unmöglich ist. Dazu zählen Trinknahrung, die Betroffene selbstständig zu sich nehmen, sowie Sondennahrung, die über eine Sonde in der Nase oder direkt durch die Bauchdecke in Magen oder Dünndarm gelangt.1,2

Die parenterale Ernährung hingegen umgeht den Verdauungstrakt vollständig und führt Nährstoffe direkt über die Blutbahn zu. Sie kommt nur zum Einsatz, wenn eine enterale Ernährung nicht möglich oder nicht ausreichend ist, beispielsweise bei schweren Darmerkrankungen oder nach bestimmten Operationen.



Die Unterschiede zwischen enteraler und parenteraler Ernährung im Überblick:2,3

Enterale Ernährung

Parenterale Ernährung

Nährstoffaufnahme über den Magen-Darm-TraktZufuhr von Nährstoffen direkt in die Blutbahn
Verabreichung über Sonden oder als TrinknahrungVerabreichung über einen Venenzugang
Unterstützt die natürliche VerdauungEinsatz bei nicht funktionierendem Verdauungstrakt
Geeignet für langfristige ErnährungMeist als kurzfristige Lösung verwendet


Welche Formen der enteralen Ernährungstherapie gibt es?

Die enterale Ernährung ist eine Form der klinischen Ernährungstherapien. Sie umfasst sowohl Sondennahrung als auch Trinknahrung. Je nach individuellen Bedürfnissen und medizinischer Indikation erfolgt die Nährstoffzufuhr entweder über eine Sonde oder in Form von oralen Nahrungssupplementen (ONS).


Sondennahrung: Direkte Zufuhr in den Verdauungstrakt

Sondennahrung gelangt über unterschiedliche Sondenzugänge direkt in den Magen oder Dünndarm:
  • Nasogastrale Sonde (NG-Sonde): Diese Methode dient der kurzfristigen Ernährung und kommt häufig in der Akutversorgung zum Einsatz.
  • Nasojejunale Sonde (NJ-Sonde): Die NJ-Sonde führt die Nahrung direkt in den Dünndarm. Ärzte setzen sie ein, wenn der Magen die Nahrung nicht richtig weiterleitet oder sich dort zu viel Mageninhalt ansammelt.
  • Perkutane Ernährungssonden: Diese Sonden werden durch die Bauchdecke in den Verdauungstrakt gelegt. Die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) führt die Nahrung direkt in den Magen und eignet sich für Patienten mit langfristigen Schluckstörungen oder neurologischen Erkrankungen. Ist eine Magenpassage nicht möglich oder besteht ein erhöhtes Risiko Nahrung in die Atemwege einzuatmen (Aspiration), leiten die Gastrojejunostomie (PEG/J) oder die direkte perkutane endoskopische Jejunostomie (D-PEJ) die Nahrung direkt in den Dünndarm

Die Wahl des Sondenzugangs richtet sich nach der medizinischen Notwendigkeit, der erwarteten Dauer der Ernährungstherapie und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.5



Trinknahrung: Ergänzung oder Ersatz der normalen Ernährung

Trinknahrung stellt eine weitere Form der enteralen Ernährung dar und gehört zur oralen Nahrungssupplementation (ONS). Sie dient als Ergänzung oder Ersatz der normalen Ernährung.4 Nimmt ein Patient nicht genügend Nährstoffe über die Nahrung auf, kann Trinknahrung helfen, einem Nährstoffmangel vorzubeugen und die tägliche Versorgung zu verbessern.



Gut zu wissen: Voll- und teilbilanzierte Diäten
  • Vollbilanzierte Diäten liefern alle essenziellen Nährstoffe und können als alleinige Nahrungsquelle dienen.
  • Teilbilanzierte Ernährungsformen ergänzen die Ernährung, enthalten aber nicht alle notwendigen Nährstoffe. Sie werden genutzt, wenn eine normale Nahrungsaufnahme noch teilweise möglich ist.3


Wann ist eine enterale Ernährung notwendig?

In verschiedenen medizinischen Situationen sichert die enterale Ernährung die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen – vorausgesetzt, der Verdauungstrakt funktioniert. Mögliche Indikationen für eine enterale Ernährungstherapie sind unter anderem:3

  • Magelenährung oder Risiko für Mangelernährung 

Viele unterschiedliche Erkrankungen können die Nährstoffaufnahme des Körpers einschränken. In diesen Fällen hilft hochkalorische Kost oder eiweißreiche Sondennahrung, das Gewicht zu stabilisieren und den Energiebedarf zu decken.

  • Schluckstörungen (Dysphagie)

Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) haben oft Probleme beim Schlucken. Eine sichere Versorgung erfolgt über eine Sonde, die Nährstoffe direkt in den Magen oder Dünndarm leitet.

  • Postoperative Ernährung

Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) haben oft Probleme beim Schlucken. Eine sichere Versorgung erfolgt über eine Sonde, die Nährstoffe direkt in den Magen oder Dünndarm leitet.

Je nach Bedarf gibt es verschiedene Formen der enteralen Ernährung – von iso- bis hochkalorischer Kost, mit oder ohne Ballaststoffe, für Kinder und Erwachsene. Auch Patienten mit Tumorerkrankungen, Leberinsuffizienz oder gestörter Glukosetoleranz profitieren von speziell abgestimmten Produkten. Ergänzend unterstützen enterale Supplemente die Ernährungstherapie.


Die Vorteile der enteralen Ernährung auf einen Blick

Die enterale Ernährung bietet viele Vorteile. Sie nutzt den natürlichen Verdauungstrakt, wodurch der Körper die Nährstoffe besser verarbeiten kann.5

  • Weniger Infektionen und stärkere Abwehr: Im Vergleich zur parenteralen Ernährung kann eine frühzeitige enterale Ernährung das Infektionsrisiko senken, da sie den Darm aktiviert und die lokale Abwehrfunktion stärkt.
  • Erhalt der Darmfunktion: Der Darm bleibt aktiv, die Struktur und Funktion der Darmzotten bleiben erhalten. Dies hilft, Nährstoffe besser aufzunehmen.
  • Weniger Komplikationen: Im Vergleich zur parenteralen Ernährung treten seltener Komplikationen auf.

Was bedeutet enterale Ernährung?

Die enterale Ernährungstherapie versorgt den Körper über den Magen-Darm-Trakt mit essenziellen Nährstoffen. Dies geschieht entweder durch eine Sonde oder in Form von Trinknahrung. Ärzte setzen sie ein, wenn die normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht oder unmöglich ist.1

Wie unterscheiden sich enterale und parenterale Ernährung?

Während die parenterale Ernährung Nährstoffe direkt über die Blutbahn zuführt, nutzt die enterale Ernährung den Weg über den Magen-Darm-Trakt, um den Körper mit essenziellen Nährstoffen zu versorgen und die Verdauungsfunktion zu erhalten.2

Was ist hochkalorische Ernährung?

Hochkalorische Kost versorgt den Körper mit einer besonders hohen Kaloriendichte und liefert neben allen essenziellen Nährstoffen viel Energie. Trinknahrung kommt zum Einsatz, wenn Erkrankungen, Mangelernährung oder hohes Alter die normale Nahrungsaufnahme erschweren.

Wann zahlt die Krankenkasse die enterale Ernährung?

Die Krankenkasse zahlt die Kosten, sofern ein Arzt die enterale Ernährungstherapie verordnet und sie medizinisch notwendig ist. Dies ist der Fall wenn eine normale Ernährung oder andere Maßnahmen den Nährstoffbedarf nicht ausreichend decken.



1„Kostenerstattung bei besonderer Form der Ernährung“. Biva.de, https://www.biva.de/dokumente/broschueren/Kostenerstattung_bei_besonderer_Ernaehrung.pdf. Zugegriffen 11. Februar 2025.

2Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Enterale Ernährung. https://www.kvbawue.de/api-file-fetcher?fid=2161 . Zugegriffen 27.02.2025

3Reitgruber, D, Auer,J.. „Enterale und parenterale Ernährung“. Internistische Intensivmedizin für Einsteiger, Springer Berlin Heidelberg, 2021, S. 69–103.

4Valentini, L., u.a. „Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM)“. Aktuelle Ernährungsmedizin, Bd. 38, Nr. 02, 2013, S. 97–111, doi:10.1055/s-0032-1332980.

5„Ernährungstherapie auf der Intensivstation“. via medici: leichter lernen - mehr verstehen, https://viamedici.thieme.de/lernmodul/6772244/4915521/ernährungstherapie+auf+der+intensivstation. Zugegriffen 11. Februar 2025.

6„Neuigkeiten aus der Ernährungstherapie“. tk.de, https://www.tk.de/resource/blob/2132896/dad30706d328933170f695c040d0644f/enterale-ernaehrung---info-fuer-patienten-data.pdf. Zugegriffen 11. Februar 2025.