Ernährungstherapie - ein Überblick

Die Ernährungstherapie spielt eine zentrale Rolle in der medizinischen Versorgung von Patienten mit Mangelernährung, Stoffwechselstörungen oder anderen ernährungsrelevanten Erkrankungen. Dieser Artikel beschreibt das Stufenschema, nach dem die geeignete Ernährungsform gewählt wird und geht kurz auf die Unterschiede zwischen der enteralen und parenteralen Ernährung ein.

▶ Ernährungstherapie

▶ Stufenschema

▶ FAQ



Ernährungstherapie: Definition und Indikationen

Die Ernährungstherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Ernährungsmedizin und dient der Prävention und Behandlung von Erkrankungen, die mit der Ernährung in Zusammenhang stehen. Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird von medizinischem Fachpersonal individuell an die Bedürfnisse der Patienten angepasst.

Ernährungsmedizin – ein interdisziplinäres Fachgebiet

Die Ernährungsmedizin befasst sich mit der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit sowie mit der klinischen Anwendung ernährungswissenschaftlicher Erkenntnisse zur Prävention und Therapie von ernährungsabhängigen Erkrankungen.

Ernährungsmedizinische Konzepte sind fester Bestandteil vieler medizinischer Fachgebiete, darunter Gastroenterologie oder Onkologie.


Abgrenzung zur Ernährungsberatung

Während die Ernährungsberatung primär auf die allgemeine Gesundheitsförderung und Prävention abzielt, richtet sich die Ernährungstherapie gezielt an Patienten mit diagnostizierten Erkrankungen. Sie ist eine medizinische Maßnahme, die in Abstimmung mit Ärzten, Diätassistenten und weiteren Fachkräften erfolgt und sich an evidenzbasierten Leitlinien orientiert.


Indikationen für eine Ernährungstherapie

  • Mangelernährung (zum Beispiel durch Altersgebrechlichkeit)
  • Onkologische Erkrankungen (etwa zur Unterstützung der Therapie und Erhaltung des Ernährungsstatus bei Krebspatienten)
  • Gastrointestinale Störungen (wie Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom, Pankreasinsuffizienz)
  • Neurologische Erkrankungen (beispielsweise Schlaganfall, ALS, Demenz mit Schluckstörungen)
  • Stoffwechselerkrankungen (unter anderem Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen)

Stufenschema der Ernährungstherapie

Die Wahl der richtigen ernährungstherapeutischen Maßnahme erfolgt nach einem Stufenschema, das die physiologisch bestmögliche Nährstoffaufnahme priorisiert. Ziel ist es, den Patienten möglichst lange mit einer natürlichen oder adaptierten Ernährung über den Magen-Darm-Trakt zu versorgen, bevor invasive Maßnahmen wie die parenterale Ernährung notwendig werden.1



Orale Ernährung mit Anpassungen

Zunächst wird die orale Nahrungsaufnahme optimiert. Das kann durch verschiedene Maßnahmen erfolgen:

  •  Anreicherung der Kost mit energiedichten und eiweißreichen Lebensmitteln
  • Konsistenzanpassung bei Dysphagie (zum Beispiel: pürierte oder angedickte Speisen)
  • Trinknahrung als Ergänzung, wenn die bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr über feste Nahrung nicht ausreichend ist.

Diese Maßnahmen haben zum Ziel, den natürlichen Weg der Nahrungsaufnahme so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Enterale Ernährung

Wenn die orale Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist oder zur Bedarfsdeckung der Nährstoffe nicht mehr ausreicht, wird die enterale Ernährung eingesetzt. Sie nutzt den Magen-Darm-Trakt zur Nährstoffaufnahme und wird entweder als Trinknahrung oder Sondennahrung verabreicht:

  • Trinknahrung: Hochkalorische, bilanzierte Flüssignahrung, die ergänzend oder als ausschließliche Ernährung eingesetzt werden kann.
  • Sondennahrung: Applikation bilanziert zusammengesetzter Nährlösungen zum Beispiel über eine Magensonde (nasogastral, PEG) oder Dünndarmsonde (nasojejunal, PEJ).

Die enterale Ernährung ist der parenteralen Ernährung vorzuziehen, solange der Darm funktionstüchtig ist (“If the gut works, use it”).

Parenterale Ernährung

Falls weder die orale noch die enterale Ernährung ausreicht oder möglich ist, wird die parenterale Ernährung eingesetzt. Sie erfolgt intravenös und liefert alle benötigten Nährstoffe in gelöster Form direkt in den Blutkreislauf. Indikationen sind beispielsweise:

  • Schwerwiegende gastrointestinale Störungen (wie Kurzdarmsyndrom, schwere Malabsorption)
  •  Postoperative Ernährung bei funktionellem oder mechanischem Ileus
  • Schwere Mukositis oder gastrointestinale Komplikationen infolge einer Chemotherapie
  • Enterale Ernährung ist nicht möglich oder kontraindiziert

Die parenterale Ernährung kann teilweise (supplementär) oder vollständig (totale parenterale Ernährung, TPE) erfolgen und wird individuell an den Nährstoffbedarf des Patienten angepasst.


Was versteht man unter Ernährungsmedizin?

Die Ernährungsmedizin erforscht zum einen die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit. Zum anderen wendet sie ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse zur Prävention und Therapie von ernährungsabhängigen Erkrankungen klinisch an (Ernährungstherapie).

Was ist medizinische Ernährung?

Medizinische Ernährung umfasst speziell formulierte Nährstofflösungen zur unterstützenden oder vollständigen Ernährungstherapie. Dazu gehören Trink- und Sondennahrung (enteral) sowie intravenöse Nährstoffzufuhr (parenteral), die individuell auf den Stoffwechsel und das Krankheitsbild des Patienten abgestimmt sind.

Wann bekommt man eine Ernährungstherapie?

Eine Ernährungstherapie wird eingesetzt, um die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten zu ergänzen oder bei krankheitsbedingten Ernährungsprobleme zu unterstützen, beispielsweise bei Mangelernährung, onkologischen, gastrointestinalen, neurologischen oder Stoffwechselerkrankungen.

Wie funktioniert eine Ernährungstherapie?

Eine Ernährungstherapie folgt einem Stufenschema:

  1. Anpassung der oralen Ernährung,
  2. Enterale Ernährung mit Trink- oder Sondennahrung,
  3. Parenterale Ernährung, falls enterale Ernährung nicht möglich ist.

Die Therapie wird individuell angepasst und interdisziplinär begleitet.

Wird eine Ernährungstherapie von der Krankenkasse bezahlt?

Ja, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht, bezahlt die Krankenkasse in der Regel eine Ernährungstherapie. Die Kostenübernahme für enterale oder parenterale Ernährung erfordert eine ärztliche Verordnung und ist abhängig von der Indikation sowie den spezifischen Regelungen der Krankenkassen.



1 „Leitlinienreport Heimenterale und heimparenterale Ernährung S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) e.V. und dem Arbeitskreis Klinische Ernährung (AKE), der Gesellschaft für Klinische Ernährung der Schweiz (GESKES) und der Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) e. V“. Awmf.org, https://register.awmf.org/assets/guidelines/073-021m_S3_Heimenterale-heimparenteraleErnaehrung__2024-05.pdf. Zugegriffen 11. August 2025.