Trinknahrung - Möglichkeit für die enterale Ernährung

Wenn eine normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht, ist Trinknahrung eine bewährte Option für die enterale Ernährung. Sie kommt beispielsweise bei Mangelernährung oder katabolem Stoffwechsel zum Einsatz und kann individuell an den Energie- und Nährstoffbedarf der Patienten angepasst werden. Hier finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Indikationen, Arten und Darreichungsformen von Flüssignahrung.

▶ Trinknahrung

▶ Indikation

▶ Arten

▶ Darreichungsformen

▶ Vorteile

▶ Astronautennahrung

▶ FAQ


Trinknahrung in Abgrenzung zur Sondennahrung

Medizinische (hochkalorische) Trinknahrung ist eine bilanzierte, enterale Nährstoffzufuhr, die peroral aufgenommen wird. Sie dient der Ergänzung der Ernährung, wenn eine ausreichende Nährstoffversorgung über die normale Kost nicht möglich ist.

Im Gegensatz zur Sondennahrung, die zum Beispiel über eine nasogastrale oder eine PEG-Sonde verabreicht wird, ist Trinknahrung für Patienten mit erhaltenem Schluckakt geeignet. Die Zusammensetzung von Sondennahrung und Trinknahrung kann ähnlich sein, jedoch ist Trinknahrung in der Regel geschmacklich angepasst und in verschiedenen Varianten erhältlich, um die Compliance zu verbessern.


Wann wird (hochkalorische) Trinknahrung eingesetzt?

Flüssignahrung kommt zum Einsatz, wenn eine adäquate Nährstoffaufnahme über die normale Ernährung nicht gewährleistet ist. Typische Indikationen umfassen:

  • Unter- oder Mangelernährung und ungewollter Gewichtsverlust
    • Chronische Unter- oder Mangelernährung bei geriatrischen Patienten
    • Präoperative Ernährungsoptimierung oder postoperative Rekonvaleszenz
  • Erhöhter Energie- und Nährstoffbedarf
    • Onkologische Erkrankungen (zum Beispiel Tumorkachexie, therapiebedingte Inappetenz)
    • Chronisch-entzündliche Erkrankungen (etwa Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, COPD)
    • Schwere Infektionen und Sepsis, die einen katabolen Stoffwechsel fördern
  • Einschränkungen der Nahrungsaufnahme
    • Dysphagie und Kauprobleme (beispielsweise nach Schlaganfall, bei Parkinson oder ALS)
    • Zahn- und Kiefererkrankungen, die das Kauen erschweren
    • Gastrointestinale Beschwerden (wie Übelkeit, frühe Sättigung, Reflux)
  • Maldigestion und Malabsorption
    • Pankreasinsuffizienz mit unzureichender Enzymsekretion
    • Kurzdarmsyndrom und Resorptionsstörungen (zum Beispiel nach intestinalen Resektionen)
    • Therapiebedingte Malabsorption (beispielsweise nach Strahlentherapie im Gastrointestinaltrakt)

Das übergeordnete Therapieziel ist die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Energie- und Nährstoffzufuhr, um Mangelernährung zu verhindern oder zu behandeln. Dazu gehören der Erhalt beziehungsweise die Verbesserung des Ernährungsstatus, die Förderung der Wundheilung, die Unterstützung des Immunsystems und die Optimierung der funktionellen Kapazität der Patienten.


Arten von Trinknahrung: Vollbilanzierte vs. teilbilanzierte Produkte

Flüssignahrung lässt sich nach ihrem Nährstoffprofil in vollbilanzierte und teilbilanzierte Produkte unterteilen.

Vollbilanzierte Trinknahrung

Vollbilanzierte Trinknahrung enthält alle essenziellen Makro- und Mikronährstoffe in bedarfsgerechter Menge und kann als alleinige Ernährung eingesetzt werden. Sie ist indiziert, wenn eine normale Kost nicht ausreicht oder nicht toleriert wird.

Eigenschaften:

  • Enthält Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Vitamine und Mineralstoffe in angepasstem Verhältnis
  • Kann als ausschließliche Ernährung (alleinige Nahrungsquelle) oder ergänzend eingesetzt werden
  • Verschiedene Zusammensetzungen für spezifische Bedürfnisse (zum Beispiel eiweißreich, energieverdichtet, ballaststoffmodifiziert)

Indikationen:

  • Patienten mit schwerer Mangelernährung
  • Patienten mit Dysphagie oder eingeschränkter oraler Nahrungsaufnahme
  • Onkologische Patienten mit erhöhtem Energie- und Nährstoffbedarf

Teilbilanzierte Trinknahrung

Teilbilanzierte Trinknahrung ergänzt die normale Ernährung gezielt mit einzelnen Nährstoffen, ist aber keine vollständige Nahrungsquelle. Sie wird genutzt, wenn ein spezifischer Mehrbedarf besteht oder einzelne Defizite ausgeglichen werden müssen.

Eigenschaften:

  • Enthält gezielt bestimmte Makro- oder Mikronährstoffe (beispielsweise Eiweiß-, Ballaststoff- oder Omega-3-reiche Formulierungen)
  • Kann nicht als alleinige Ernährung verwendet werden
  • Einsatz individuell nach Ernährungsstatus und Krankheitsbild

Indikationen:

  • Ergänzung bei erhöhtem Eiweißbedarf (zum Beispiel bei Wundheilung oder Sarkopenie)
  • Spezifische Defizite (wie Omega-3-Fettsäuren bei entzündlichen Erkrankungen)
  • Unterstützung bei unzureichender Kalorienzufuhr ohne vollständigen Ersatz der Nahrung

Die Wahl der geeigneten Variante hängt von der individuellen Ernährungssituation und dem klinischen Bedarf des Patienten ab.


Darreichungsformen von Trinknahrung

Trinknahrung ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, die je nach Patientenpräferenz, Verträglichkeit und individueller Ernährungsstrategie ausgewählt werden sollten. Eine Kombination verschiedener Formen kann sinnvoll sein, um die Compliance und Bedarfsdeckung zu optimieren.

Die wichtigsten Formen von Trinknahrung sind:

  • Steril abgefüllte, trinkfertige Formulierung
  • Sofort einsatzbereit, keine Zubereitung erforderlich
  • Erhältlich in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Nährstoffprofilen (etwa normokalorisch, hochkalorisch, eiweißreich)
  • Praktisch für mobile Patienten oder solche mit eingeschränkter Zubereitungsmöglichkeit

Anwendung:

  • Bei erhöhtem Energie- und Nährstoffbedarf
  • Wenn eine einfache und schnelle Verabreichung erforderlich ist
  • Für Patienten mit Dysphagie oder eingeschränkter Kau- und Schluckfunktion

 

Hier finden Sie eine Auswahl an gebrauchsfertigen Trinknahrungen:

  • Muss mit Wasser oder Milch angerührt werden
  • Flexible Anpassung der Nährstoffdichte möglich
  • Längere Haltbarkeit im Vergleich zu flüssiger Trinknahrung
  • Geeignet für Patienten mit besonderen Diätanforderungen oder Unverträglichkeiten

Anwendung:

  • Individuelle Dosierung und Anpassung des Kalorien- und Nährstoffgehalts
  • Patienten mit selektiven Geschmacksvorlieben oder Texturpräferenzen
  • Wirtschaftliche Alternative bei längerfristiger Anwendung

 

Hier finden Sie eine Auswahl an Trinknahrungen in Pulverform zum Anrühren:


Vorteile von (hochkalorischer) Trinknahrung

Der Einsatz von flüssiger Zusatznahrung bietet eine effektive Möglichkeit, eine unzureichende orale Ernährung auszugleichen.

Das sind die Vorteile von Trinknahrung:

  • Einfache Anwendung
    • Flüssige Produkte sind sofort verzehrfertig, Pulver lässt sich individuell anpassen
    • Besonders geeignet für Patienten mit Kau- und Schluckstörungen
  • Bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr
    • Enthält alle essenziellen Makro- und Mikronährstoffe in definierter Menge
    • Spezielle Formulierungen für unterschiedliche Erkrankungen verfügbar (zum Beispiel eiweißreich, ballaststoffmodifiziert)
  • Gezielte Unterstützung bei Mangelernährung
    • Kann als Supplement oder ausschließliche Ernährung eingesetzt werden
    • Erhöht die Kalorien- und Proteinzufuhr, ohne das Essverhalten stark zu verändern
  • Gute Verträglichkeit und standardisierte Zusammensetzung
    • Industriell hergestellte Produkte bieten gleichbleibende Qualität
    • Oft laktose- und glutenfrei erhältlich

Flüssige Zusatznahrung stellt eine wertvolle Ergänzung oder Alternative zur normalen Ernährung dar. Um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, ist die Auswahl der richtigen Formulierung und die Berücksichtigung der individuellen Patientenpräferenzen entscheidend.


Trinknahrung und Astronautennahrung – dasselbe?

Der Begriff Astronautennahrung wird häufig mit medizinischer Trinknahrung gleichgesetzt, doch es gibt neben einigen Gemeinsamkeiten auch wesentliche Unterschiede.



  • Enthält eine ausgewogene Mischung aus Makro- und Mikronährstoffen in konzentrierter Form
  • Für eine einfache Aufnahme und hohe Verdaulichkeit optimiert
  • In standardisierten Herstellungsverfahren produziert, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten

  • Zielgruppe: Trinknahrung ist für Patienten mit erhöhtem Ernährungsbedarf oder eingeschränkter Nahrungsaufnahme konzipiert, während Astronautennahrung für gesunde Personen in extremen Bedingungen (etwa Schwerelosigkeit) entwickelt wurde.
  • Zusammensetzung: Astronautennahrung ist speziell an die physiologischen Anforderungen von Raumfahrern angepasst (beispielsweise reduzierter Natriumgehalt zur Minimierung der Knochendekalzifikation im All), während medizinische Trinknahrung auf krankheits- oder altersbedingte Bedürfnisse ausgerichtet ist.
  • Applikationsform: Während Trinknahrung meist als flüssige oder pulverförmige Nahrung angeboten wird, gibt es Astronautennahrung oft in Form von pastösen oder dehydrierten Mahlzeiten, die im All zubereitet werden müssen.

Auch wenn die Technologien und Prinzipien hinter beiden Ernährungskonzepten ähnlich sind, ist Trinknahrung kein Synonym für Astronautennahrung. Sie dient der klinischen Ernährungstherapie und ist gezielt auf die Bedürfnisse von Patienten abgestimmt.


Wann ist Trinknahrung sinnvoll?

Wenn die normale Ernährung den Energie- und Nährstoffbedarf nicht decken kann, zum Beispiel bei Mangelernährung, Dysphagie oder onkologischen Erkrankungen, kann Trinknahrung zum Einsatz kommen.

Wann zahlt die Krankenkasse Trinknahrung?

Die Kostenübernahme von Trinknahrung erfolgt bei medizinischer Notwendigkeit und ärztlicher Verordnung. Die Erstattungsfähigkeit variiert je nach Krankenkasse und Indikation.

Ab wann ist Trinknahrung hochkalorisch (hyperkalorisch)?

Trinknahrung gilt als hochkalorisch, wenn sie eine Energiedichte von mindestens 1,2 kcal/ml aufweist.

Ist Trinknahrung immer auch zugleich Aufbaunahrung?

Der Begriff Aufbaunahrung wird oft für vollbilanzierte Trinknahrung verwendet, die eine vollständige Nährstoffversorgung bietet. Es gibt jedoch auch teilbilanzierte Trinknahrung, die gezielt einzelne Nährstoffe ergänzt, aber keine vollständige Versorgung sicherstellt.