Ernährungssonden im Vergleich: Arten und Einsatzgebiete

Ob kurzzeitig zur Stabilisierung oder langfristig zur Versorgung – Ernährungssonden sichern die enterale Nährstoffzufuhr bei verschiedensten Krankheitsbildern. Dieser Text erklärt die Unterschiede zwischen transnasalen und perkutanen Zugangswegen, beleuchtet ihre jeweiligen Einsatzbereiche und nennt relevante Indikationen sowie Kontraindikationen.

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Die wichtigsten Ernährungssonden im Überblick

Für die enterale Ernährung stehen verschiedene Zugangswege zur Verfügung. Am häufigsten nutzt das Fachpersonal natürliche Körperöffnungen. Nasogastralen (NGT) oder nasojejunalen Sonden (NJT), werden über die Nase eingebracht, während orogastrale oder orojejunale Sonden über den Mund verlaufen. Da der nasale Zugang den Würgereiz seltener auslöst, vertragen ihn viele Patienten besser als den oralen.

Bei längerfristigem Bedarf erfolgt die Anlage perkutan, also durch die Bauchdecke: entweder als direkte Gastrostomie (PEG-Sonde), als jejunaler Zugang (PEJ-Sonde) oder als PEG mit jejunaler Verlängerung (PEG-J). Alle genannten Verfahren lassen sich endoskopisch durchführen. Zudem gibt es auch chirurgische sowie radiologische Einsetzverfahren.1


Indikationen im Überblick: Wann eine Ernährungssonde zum Einsatz kommt

Die Indikationen für den Einsatz einer Sonde lassen sich in folgende Hauptgruppen einteilen:1

  • Neurologische Ursachen: Schlaganfall, Motoneuronerkrankungen, Parkinson-Syndrome, infantile Zerebralparese, Schädel-Hirn-Trauma, frühe Demenz
  • Mechanische Obstruktionen: Tumoren im Mund-Rachen-Raum, Kopf-Hals-Tumoren, Ösophaguskarzinom, benigne Stenose der Speiseröhre
  • Katabole Erkrankungen: schwere Verbrennungen, akute Pankreatitis, onkologische Diagnosen, chronische Herz- oder Lungenerkrankungen, allgemeiner kritischer Krankheitszustand
  • Reduzierte orale Nahrungsaufnahme ohne organische Ursache: zum Beispiel bei Anorexia nervosa
  • Entlastung des Gastrointestinaltrakts: bei malignem oder benignem Darmverschluss, chronischer intestinaler Pseudoobstruktion oder ausgeprägter Lähmung des Magens (Gastroparese)



Auswahl der Sondenart

Die Wahl der Ernährungssonde hängt von dem klinischen Zustand des Patienten sowie der geplanten Anwendungsdauer ab.2 Das Fachpersonal trifft die Entscheidung stets individuell anhand der jeweiligen Situation.



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Transnasale Ernährungssonden

Transnasale Ernährungssonden, umgangssprachlich auch Nasensonden genannt, legt das Fachpersonal über die Nase und den Rachen gezielt in den oberen Verdauungstrakt. Am häufigsten kommen nasogastrale Sonden (NG) zum Einsatz, deren Spitze im Magen liegt. Daher wird diese Sondenart auch „Magensonde“ genannt. Nasoduodenale oder nasojejunale Sonden reichen weiter und enden im Duodenum oder im Jejunum.2

In der Regel verwendet das Fachpersonal eine Nasensonde als primären Zugangsweg zur enteralen Ernährung. Nur bei ungünstiger Magenanatomie, gestörter Magenentleerung, Unverträglichkeit der Magenpassage oder erhöhtem Aspirationsrisiko empfiehlt sich die Sondenlage im Dünndarm.1




So verläuft das Legen einer Magensonde

Das Fachpersonal führt die nasogastrale Sonde in halbsitzender Position ein. Zuvor misst es die benötigte Länge: von der Nasenspitze über das Ohrläppchen bis zum unteren Brustbein.

Während des Einführens unterstützt der Patient den Vorgang durch wiederholtes Schlucken. Die Sonde passiert Nase, Rachen und Speiseröhre, bis sie den Magen erreicht. Nach der Platzierung der Magensonde überprüft das Team die Lage mithilfe einer Luftinjektion und Auskultation im Oberbauch. Zum Schluss fixiert es die Sonde mit Pflaster an der Nase.3



Indikationen: Wann ist eine transnasale Ernährungssonde sinnvoll?

Das medizinische Fachpersonal prüft den Einsatz einer transnasalen Ernährungssonde immer dann, wenn der Patient über einen funktionstüchtigen Gastrointestinaltrakt verfügt, aber den Nährstoffbedarf oral nicht decken kann oder ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung besteht.

Transnasale Sonden kommen nicht nur zur Ernährung, sondern auch in verschiedenen klinischen Situationen zum Einsatz:4

  • Gastrointestinale Dekompression: bei distalem mechanischem Ileus, zum Beispiel durch Verwachsungen, Hernien, Tumoren, Volvulus oder Invagination
  • Präventive Maßnahme bei starker Übelkeit oder persistierendem Erbrechen: zur Reduktion des Aspirationsrisikos, etwa bei medikamentös bedingtem Erbrechen oder Intoxikation
  • Blutungsdiagnostik: bei massiver Hämatochezie (Blutstuhl) zur möglichen Differenzierung zwischen oberer und unterer gastrointestinaler-Blutung
  • Medikamentenapplikation: bei funktionalem Gastrointestinaltrakt, wenn eine orale Einnahme nicht möglich ist (zum Beispiel bei neurologisch bedingter Dysphagie)


Gut zu wissen:

Transnasale Sonden eignen sich für die enterale Ernährung, wenn diese voraussichtlich weniger als 4 Wochen benötigt wird. Bei längerem Bedarf sollte das Fachpersonal einen perkutanen Zugang in Erwägung ziehen, abhängig vom klinischen Zustand.1



Kontraindikationen von transnasalen Ernährungssonden

Vor dem Legen einer nasogastralen oder nasojejunalen Ernährungssonde prüft das Fachpersonal mögliche Gegenanzeigen. Bestimmte Zustände schließen die transnasale Platzierung aus oder erfordern besondere Vorsicht.

Absolute Kontraindikationen:1

  • Mechanischer Darmverschluss (außer bei geplanter Entlastung)
  • Aktive Peritonitis
  • Nicht korrigierbare Gerinnungsstörung
  • Akute Darmischämie

Relative Kontraindikationen:1

  • Unverheilte Gesichtsschädelbrüche
  • Anatomische Fehlbildungen im Gesichtsbereich
  • Frische oro-nasale Operationen
  • Schädelbasisfrakturen mit Liquorleck
  • Hohe Halswirbelfrakturen
  • Obstruktion im oberen Verdauungstrakt

 

Perkutane Ernährungssonden: Übersicht der Zugangsarten

Perkutane Ernährungssonden ermöglichen den direkten Zugang zum Magen oder Dünndarm über die Bauchdecke und kommen bei längerfristigem Bedarf enteraler Ernährung zum Einsatz. Je nach Lage und Verfahren unterscheidet das Fachpersonal verschiedene Techniken:1

PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie): endoskopisch geführte Platzierung einer Sonde in den Magen – dazu gehört zum Beispiel die Freka® Peg

(perkutane endoskopische Jejunostomie): endoskopisch platzierte Sonde direkt in das Jejunum

JET-PEG/PEJ: über eine PEG gelegte Sonde mit dünnlumiger Verlängerung, die enterale Ernährung im Jejunum ermöglicht


Neben den endoskopisch gesetzten Ernährungssonden stehen auch radiologische und chirurgische Zugangswege zur Verfügung. Die radiologisch eingesetzte Gastrostomie (RIG) erfolgt unter bildgebender Kontrolle, etwa durch Ultraschall oder Durchleuchtung. Perkutan chirurgisch angelegte Sonden – entweder als Gastrostomie (PSG) zum Magen oder als Jejunostomie (PSJ) zum Dünndarm – setzt das Fachpersonal im Rahmen eines operativen Eingriffs ein.1

Die Feinnadel-Katheter-Jejunostomie (FKJ) stellt einen weiteren operativen Zugangsweg zur enteralen Ernährung dar. Das Operationsteam platziert sie intraoperativ im Jejunum und nutzt sie vor allem nach großen Oberbaucheingriffen, bei gestörter Magenfunktion oder erhöhtem Aspirationsrisiko.5


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Indikationen: Wann kommt eine perkutan angelegte Sonde infrage?

Die medizinischen Indikationen für perkutane Ernährungssonden entsprechen grundsätzlich denen der nasogastralen oder nasointestinalen Sonden. Besteht jedoch ein absehbarer Bedarf von mehr als 4 Wochen, entscheidet sich das Fachpersonal bevorzugt für einen perkutanen Zugang – abhängig von klinischem Zustand und individueller Prognose.1


Kontraindikationen: Wann ist eine perkutane Sondenanlage nicht geeignet?

Einige Kontraindikationen schließen den die Anlage einer perkutanen Ernährungssonde aus, andere erfordern eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung und spezifische Maßnahmen.

Absolute Kontraindikationen:1

  • Mechanischer Darmverschluss (wenn keine Entlastung beabsichtigt ist)
  • Aktive Peritonitis
  • Nicht korrigierbare Gerinnungsstörung
  • Akute Darmischämie

Relative Kontraindikationen:1

  • Kürzlich aufgetretene gastrointestinale Blutung bei Ulkuskrankheit mit hohem Rezidivrisiko
  • Hämodynamische Instabilität
  • Respiratorische Instabilität
  • Aszites (erhöhtes Risiko für Peritonitis und erschwerte Fistelreifung)
  • Ventrikuloperitonealer Shunt (erhöhtes Risiko für Infektionen und Fehlfunktionen)
  • Abdominelle Wanddefekte, zum Beispiel offene Bauchdecke, Drainagen, Narben oder Verwachsungen

Kompakter Ersatz: Perkutane Austauschsonden im Überblick

Etwa 4 Wochen nach Anlage einer perkutanen Ernährungssonde, wie einer PEG-Sonde, kann das Fachpersonal auf Austauschsysteme umstellen.6,7 Zu diesen Systemen gehören die sogenannte „GastroTube“ und der „Button“ (Knopfsonden). Diese Varianten bieten bei langfristiger Anwendung funktionale und ästhetische Vorteile.7 GastroTubes und Knopfsonden lassen sich zusätzlich einfach, ortsunabhängig und ohne endoskopischen Eingriff oder Narkose austauschen.8

GastroTube:

  • Ersetzt die klassische PEG-Sonde, unterscheidet sich durch einen intragastralen Ballon statt Halteplatte
  • Ballon wird extern mit destilliertem Wasser befüllt
  • Äußere Halteplatte fixiert die Sonde am Bauch
  • Lässt sich bei Bedarf mit Pflaster abdecken8

Button (Knopfsonde):

  • Verwendet  dasselbe Ballonprinzip wie die GastroTube
  • Erlaubt den Anschluss eines Ernährungsschlauchs nur bei Bedarf8
  • Außen zeigt sich lediglich ein knopfartiger Anschluss, der selbst unter enger Kleidung kaum auffällt9
Dateiname
FK_7302801_Folder_Perkutane_Sonden_iPad_02_2023.pdf
Größe
2 MB
Format
pdf
Perkutane Sonden & Austauschsysteme zum Download

Wann erhält ein Patient eine Ernährungssonde?

Eine Ernährungssonde kommt zum Einsatz, wenn die orale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht oder unmöglich ist, aber ein funktionierender Gastrointestinaltrakt vorliegt.1

Welche Arten von Ernährungssonden existieren?

Das Fachpersonal kann zwischen transnasalen, transoralen, perkutan-endoskopischen, perkutan-chirurgischen und radiologisch platzierten Ernährungssonden wählen. Die Auswahl richtet sich nach dem klinischen Zustand des Patienten sowie der voraussichtlichen Dauer der enteralen Ernährung.1

Worin liegt der Unterschied zwischen PEG und PEJ Sonden?

Eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) führt in den Magen, während eine perkutane endoskopische Jejunostomie (PEJ) im Jejunum endet. Beide legt das Fachpersonal endoskopisch über die Bauchdecke an.

Welche Sondenart bezeichnet der Begriff „Magensonde“?

Eine Magensonde bezeichnet eine nasogastrale Sonde, deren Spitze im Magen liegt und die über die Nase eingeführt wird. Im Unterschied dazu erfolgt die Platzierung einer PEG-Sonde perkutan durch die Bauchdecke.



Arvanitakis, Marianna, u.a. „Endoscopic Management of Enteral Tubes in Adult Patients - Part 1: Definitions and Indications. European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline“. Endoscopy, Bd. 53, Nr. 1, 2021, S. 81–92, doi:10.1055/a-1303-7449.

„Tube Feeding (Enteral Nutrition)“. Cleveland Clinic, https://my.clevelandclinic.org/health/treatments/21098-tube-feeding--enteral-nutrition. Zugegriffen 9. April 2025.

„Magensonde und PEG-Sonde“. via medici: leichter lernen – mehr verstehen, https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8721453/4958186/magensonde+und+peg-sonde. Zugegriffen 8. April 2025.

Sigmon, David F., und Jason An. „Nasogastric Tube“. StatPearls, StatPearls Publishing, 2025.

Löser, Christian, und Michael Keymling, Herausgeber. „12 Operative Anlage von enteralen Ernährungssonden“. Praxis der enteralen Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2001.

„PEG Sonden und Trachealkanühlenwechsel im niedergelassenen Bereich - Fachauskunft“. Sozialversicherung.at, https://www.sozialversicherung.at/cdscontent/load?contentid=10008.715090&version=1391184568. Zugegriffen 8. April 2025.

„Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) und Jejunostomie (PEJ)“. Ethikkomitee.de, https://ethikkomitee.de/downloads/ethisch-leitlinie-peg-fuer-die-ctt---juni-2013.pdf. Zugegriffen 8. April 2025.

„Pflegeratgeber Enterale Ernährung“. Stiftung NOAH, https://www.stiftungnoah.de/austauschsondnen. Zugegriffen 8. April 2025.

„Mukoviszidose Ernährung Informationsblatt“. Muko.info, https://www.muko.info/fileadmin/user_upload/aks/ernaehrung/informationsblatt_peg_cf.pdf. Zugegriffen 8. April 2025.