Enterale Ernährung zu Hause

Die enterale Ernährung zu Hause stellt eine etablierte Therapiemöglichkeit dar, wenn eine ausreichende orale Nahrungsaufnahme nicht mehr gewährleistet ist – beispielsweise bei Dysphagie, Tumoren des oberen Gastrointestinaltrakts oder Malabsorptionssyndromen.1 Die Indikationsstellung und Einleitung der enteralen Ernährung zu Hause erfolgen durch die behandelnde Ärztin respektive den behandelnden Arzt unter Berücksichtigung medizinischer Erfordernisse und versorgungsrelevanter Rahmenbedingungen.

↪ Systeme und Applikationen

↪ Gabe von Flüssignahrung und Medikamenten

↪ Hygiene und Pflege

↪ Patiententipps

↪ FAQ


Zugangssysteme und Applikationsformen der enteralen Ernährung zu Hause

Für die enterale Ernährung zu Hause stehen verschiedene Applikationswege zur Verfügung – etwa transnasale Sonden für den kurzfristigen Einsatz oder perkutane Systeme wie PEG, Button (Magensonden) oder JET-PEG (Dünndarmsonden) für die langfristige Versorgung über eine Magensonde. Die Applikation der Sondenkost erfolgt je nach Lage der Ernährungssonde entweder per Schwerkraftsystem oder über eine Ernährungspumpe. Ein schrittweiser Aufbau der Nahrung reduziert das Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen wie Diarrhö oder Übelkeit und verbessert die Verträglichkeit der enteralen Ernährung.


Begrifflichkeiten: NG = Nasogastral, ND = Nasoduodenal, NJ = Naojejunal, PEG = Perkutane Endoskopische Gastrostomie, JET-PEG = Jejunal Tube through PEG, FKJ = Feinnadel Katheder Jejunostomie, DM = Diabetes mellitus

Ein schrittweiser Aufbau der Nahrungszufuhr über 3 bis 5 Tage reduziert das Risiko für Unverträglichkeiten wie Diarrhö, Völlegefühl oder Übelkeit.


Flüssigkeits- und Medikamentengabe bei enteraler Ernährung zu Hause

Da der Flüssigkeitsbedarf meist nicht allein über die Sondennahrung gedeckt werden kann, ist auch bei einer künstlichen Ernährung zu Hause eine supplementäre Flüssigkeitszufuhr erforderlich (30-35 ml/kg Körpergewicht/Tag). Bei jejunaler Sondenlage darf ausschließlich abgekochtes Wasser verwendet werden.

 

Wichtig: Bei der Gabe von Medikamenten über die Ernährungssonde durch Pflegekräfte ist stets eine schriftliche Delegation durch den behandelnden Arzt erforderlich, da die meisten Medikamente bei Verabreichung über eine Sonde nicht bestimmungsgemäß angewendet werden.



Die Medikamentengabe über die Sonde erfordert besondere Sorgfalt:
  • Flüssige Darreichungsformen sind zu bevorzugen.
  • Tabletten und Kapseln dürfen nur nach pharmazeutischer Rücksprache zerkleinert oder geöffnet werden.
  • Zwischen der Gabe verschiedener Präparate sowie vor und nach der Applikation ist mit Wasser zu spülen (jeweils mind. 10–20 ml), um Interaktionen und Verstopfungen zu vermeiden.


Die sorgfältige Gabe von Nährstoffen, Flüssigkeit und Medikamenten stellt sicher, dass der Patient stabil versorgt bleibt.


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Patientin und Pflegekraft schauen sich an

Hygiene und Pflegestandards für die künstliche Ernährung zu Hause

Zu Hause erfordert eine sichere enterale Ernährung konsequente Hygienemaßnahmen. Pflegekräfte oder Angehörige spülen die Ernährungssonde täglich mit Wasser, um Ablagerungen zu vermeiden und die Durchgängigkeit zu erhalten. Sie wechseln das enterale Überleitgerät alle 24 Stunden, da sich darin leicht Keime vermehren können. Zusätzlich reinigen sie den Zugang der Ernährungssonde sowie die Halte- oder Stomaplatte gründlich, um lokale Infektionen zu verhindern.2

Außerdem wichtig:

  • Auch zu Hause kommen ausschließlich für die enterale Ernährung zugelassene Produkte zum Einsatz – zum Beispiel Fresubin® Energy von Fresenius Kabi. Pürierte Speisen kommen nicht zum Einsatz, da sie die Ernährungssonde verstopfen können.
  • Die Stomapflege richtet sich nach dem verwendeten Sondentyp (zum Beispiel PEG, Button, JET-PEG) und erfolgt nach festen Vorgaben:
    • Reinigung
    • Verbandwechsel
    • Mobilisation
  • Auch die korrekte Lagerung der Sondenkost ist wichtig, um die Qualität der Nahrung zu sichern.

Unabhängig von der oralen Nahrungsaufnahme wird täglich eine sorgfältige Mund- und Zahnpflege durchgeführt.


Enterale Ernährung zu Hause - Tipps für Ihre Patienten

Für viele Patienten verbessert die enterale Ernährung zu Hause deutlich die Lebensqualität – sie erlaubt eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung, ohne auf eine stationäre Umgebung angewiesen zu sein.

Gabe der Sondennahrung

Eine sorgfältige Handhabung der Sondennahrung ist entscheidend für eine sichere und gut verträgliche enterale Ernährung im häuslichen Umfeld.

  • Die Nahrung sollte stets bei Raumtemperatur verabreicht werden, um Irritationen im Verdauunsgtrakt zu vermeiden. Je nach medizinischer Indikation erfolgt die Gabe kontinuierlich mithilfe einer Ernährungspumpe oder intermittierend als sogenannte Bolusgabe.
  • Letztere kommt ausschließlich bei gastraler Sondenlage und funktionierendem Magen-Darm-Trakt infrage. Bei jejunaler Lage, Unverträglichkeiten oder in der initialen Aufbauphase ist die pumpengesteuerte Ernährung verpflichtend.3
Intermittierende Gabe: Dosierung und Pausen

Bei intermittierender Gabe gilt es, pro Portion nicht mehr als 240 ml über einen Zeitraum von mindestens 20 Minuten zu verabreichen, gefolgt von einer Pause von etwa 90 Minuten.4

Um die Ernährungssonde funktionsfähig zu halten und Verstopfungen zu vermeiden, wird die Sonde vor, zwischen und nach jeder Gabe gründlich mit Wasser gespült.

Eine aufrechte Position des Oberkörpers – idealerweise in einem Winkel von mindestens 30 Grad – während und mindestens eine Stunde nach der Applikation hilft zu Hause dabei, Reflux und das Risiko einer Aspiration bei enteraler Ernährung zu vermeiden.5

Verstopfungen der Ernährungssonde

Verstopfungen einer Ernährungssonde entstehen meist durch unzureichendes Spülen oder ungeeignete Medikamentengaben. Hier empfiehlt sich eine vorsichtige Spülung mit stillem oder kohlensäurehaltigem Wasser – Drähte oder mechanische Hilfsmittel sollten nicht zum Einsatz kommen.

Stomapflege und Infektionsprophylaxe

Stomaentzündungen resultieren oft aus Reizungen, mangelnder Hygiene oder Infektionen. Eine trockene, sterile Versorgung sowie die Reinigung von innen nach außen sind essenziell. Bei anhaltenden Rötungen oder Sekretion sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen.

Gewicht im Blick behalten

Auch Gewichtsveränderungen sollten während der Ernährung über eine Magensonde zu Hause genau beobachtet werden: Eine zu geringe oder übermäßige Kalorienzufuhr sowie Flüssigkeitsansammlungen können hier eine Rolle spielen. Regelmäßige Gewichtskontrollen und eine enge Abstimmung mit der Ernährungsberatung sorgen für die nötige Therapiesicherheit.


Wichtig:

Patienten sollten nie selbst versuchen, eine dislozierte oder herausgefallene Ernährungssonde zu repositionieren – in diesem Fall ist professionelle Hilfe erforderlich.

Die Sondenernährung im häuslichen Umfeld erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Patient, Angehörigen, Pflegekräften und behandelndem Arzt oder behandelnder Ärztin. Neben der korrekten Applikation der Sondenkost spielt auch die Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen, das Erkennen von Komplikationen sowie die langfristige Versorgung mit Nährstoffen eine wichtige Rolle.


Kann ich trotz Sonde essen oder trinken?

Ja, wenn medizinisch nichts dagegen spricht – orale Zufuhr unterstützt das Wohlbefinden und die orale Schleimhautgesundheit.

Ist Körperpflege möglich?

Duschen oder Baden ist nach Abheilung des Stomas problemlos möglich – Verband gegebenenfalls vorher entfernen und Haut gut trocknen.7

Wie lange bleibt die Sonde?

Die Sonde bleibt, solange die enterale Ernährung klinisch oder zu Hause notwendig ist. Bei ausreichender oraler Ernährung kann sie entfernt werden – das Stoma verschließt sich meist innerhalb weniger Stunden.

Wie komme ich an Nahrung und Material?

Ein Team von Fresenius Kabi Homecare koordiniert Lieferung, Schulung und Betreuung. Ihre Patienten erhalten alle notwendigen Produkte inklusive Zubehör direkt nach Hause.

Ist es möglich, mit einer Magensonde nach Hause zu gehen?

Ja, eine künstliche Ernährung über eine Magensonde (z. B. PEG oder Ballonsonde) kann problemlos zu Hause durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass der Patient sowie betreuende Angehörige oder Pflegende entsprechend geschult sind. Der Übergang wird in der Regel durch ein spezialisiertes Homecare-Team koordiniert.



„Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/073-021. accessed 25.03.2026

Universitätsklinikum Leipzig. https://www.uniklinikum-leipzig.de/einrichtungen/medizinische-klinik-3/Freigegebene%20Dokumente/enterale-ernaehrung-ernaehrungsteam-medizinische-klinik-3-uniklinikum-leipzig.pdf. accessed 25.03.2026

3 Bischoff SC et al. S3-Leitlinie Heimenterale und heimparenterale Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). Aktuelle Ernährungsmed 2024; 49:73-155

4 Universitätsklinikum Freiburg. https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/07_kliniken/med_innere1/bilder/Sektion_Diaetetik/PDF/Enterale_Ernaehrung_L.pdf. accessed 25.03.2026

Universitätsklinikum Bonn. https://www.ukbonn.de/site/assets/files/31514/ukb_sondenkoststandard_ernaehrungskommission.pdf. accessed 25.03.2026

Volkert D et al. https://www.dgem.de/sites/default/files/PDFs/Leitlinien/S3-Leitlinien/073-019l_S3_Klinische_Ernährung_Geriatrie_2015-12.pdf. accessed 25.03.2026

Fetzer-Mütz G. Versorgung einer PEG-Anlage Pflegestandard/Patienteninformation. https://glkn.de/glkn/standorte/hbk-singen/medizinische-fachbereiche/innere-medizin/2-medizinische-klinik/HBK-PS-PI-Versorgung-einer-PEG-Anlage-06-0.pdf. accessed 25.03.2026